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  1. Mensch und Werdung

    4. Juni 2012 by az

    Als im weißen Mutterschoße aufwuchs Baal
    War der Himmel schon so groß und still und fahl
    Jung und nackt und ungeheuer wundersam
    Wie ihn Baal dann liebte, als Baal kam.
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    Als im dunklen Erdenschoße faulte Baal
    War der Himmel noch so groß und still und fahl
    Jung und nackt und ungeheuer wunderbar
    Wie ihn Baal einst liebte, als Baal war.

    Bertolt Brecht


    Vor einigen Tagen ging das Photo einer jungen Frau um die Welt: Fröhlich schaut die 22 jährige Marina Keegan in die Kamera. Ein gewöhnliches Bild einer ungewöhnlichen Frau.

    Zwei Tage nach ihrem Uni-Abschluss stirbt die Yale-Absolventin bei einem Autounfall. Sie wird ihre bereits geschriebene Abschlussrede mit dem Titel „Das Gegenteil von Einsamkeit“ nicht mehr halten können. Diese macht seit dem tragischen Unglück die Runde im Internet. Besonders folgende, daraus entnommene Worte, bewegen die Internetgemeinde: „Wir sind so jung. Wir sind so jung. Wir sind 22 Jahre alt. Wir haben so viel Zeit.”

    Dies ist kein Nachruf für Marina Keegan. Dies ist ein Aufruf an alle, die das hier lesen. Es ist ein Versuch, wenn auch ein kleiner, Marinas Botschaft zu verbreiten.

    Viele Menschen sterben täglich an Hunger, an Aids, werden vergewaltigt, geprügelt, gedemütigt. Doch sie bleiben namenlos, haben keine Chance, sich Gehör zu verschaffen. Sie gehen aus der Welt, wie sie gekommen sind: Von der Masse unbeachtet. Wir wissen um das Elend in der Welt. Und auch wenn wir glauben, wir könnten nichts daran ändern, haben wir es denn je versucht? Jeder von uns als Individuum, nicht als Teil dieser schrecklich großen Masse (bei der das Wort selbst kaum beschreibt was sie eigentlich bedeutet, so viele sind wir mittlerweile) hat die Möglichkeit zum “Vita activa”, zum tätigen Leben. Und ich gehe sogar so weit, zu sagen, es ist nicht nur eine Möglichkeit, es ist unsere Pflicht, unser Leben zu gestalten.

    Marina Keegan hatte begriffen, welch unglaubliches Glück sie hatte. Dass es nur sie selbst war, die ihr Schicksal bestimmen konnte. Sie hatte ihr Leben als Geschenk begriffen. Als ein Geschenk, welches es aktiv zu gestalten galt.

    Ich frage Euch, liebe Leser: Wie wichtig ist Euch Euer Glück? Wie sehr seid Ihr bemüht, Euch selbst eine Stimme zu verleihen? Keiner wird kommen, sie Euch anbieten. Glück ist nie passiv. Das sollte jeder verstehen.

    Es geht nicht um Religion. Es geht nicht um Gott. Es geht um Menschlichkeit. Und jeder von Euch ist aufgefordert, dieser ein Gesicht zu verleihen. Denn es ist nicht Euer letzter Herzschlag, der entscheiden wird über Euer Glück. Jeder einzelne Atemzug ist es, der entscheidet. Jeder Moment, den Ihr vergeudet mit Ärger, Wut und Frust, ist Euch genommen, ist ein Teil weniger des maximalen Glückes Eures Lebens.

    Ihr, die Ihr beschenkt wurdet mit Eurem Leben, Ihr, die Ihr nicht krank seid, nicht leiden müsst: Verschafft Euch das Glück, nehmt es in Eure Hände! Seid dankbar, seid menschlich, seid nicht namenlos.

    Wartet nicht auf den Moment, der kommen wird, Euch glücklich zu machen. Er ist da, er ist jetzt. Hört auf zu zögern und greift zu.


  2. Anna und der böse Wulff

    3. Januar 2012 by az

    Es war wieder einmal Sonntagmorgen, inmitten des schönen Neuköllns. Ich erwachte mit den üblichen Nachwehen, die so eine durchzechte Samstagnacht mit sich bringt, geweckt von dem unbarmherzigen Surren des Vibrationsalarms meines Mobiltelephons.

    Anna: “Wer wagt es, die Königin der Nacht zu wecken? Wer traut sich, den Drachen der Höhle zu entlocken? Sag es mir, Fremder, wer ist es nur, der zu mir spricht???”
    (Diese Antwort ist – ganz politisch – ein wenig geglättet, da ich mich an den genauen Wortlaut nicht erinnere. Vielleicht habe ich, anstatt zu antworten, einfach nur ins Telefon gerülpst.)
    Anrufer: “Hallo? Hier ist der Christian. Bin ich denn da bei dem Herrn Diekmann?”
    Anna (in der Annahme, mit ihrem Mitbewohner zu sprechen): “Christian, du alte Fummeltrine! Bist du gestern im Circus Lemke versackt? Soll ich dir ein Erste – Hilfe – Kommando vorbei schicken?”
    Anrufer: “Wie bitte? Ich glaube, ich bin da falsch.”
    Anna (verwundert): “Ey, sag mal, bist du eigentlich immer noch blau oder schon wieder? Jetzt beweg deinen faulen Arsch hierher. Es ist Sonntag und irgendwer muss hier mal die Bude putzen. Außerdem liegt auf dem Balkon entweder ein ertrunkenes Meerschweinchen oder der olle Fred von oben drüber hat mal wieder sein Toupet runterfallen lassen. Komm mal her und mach das weg.”
    Anrufer: „Nein, sie verstehen mich offensichtlich nicht. Ich rufe sie aus Bellevue an und ich möchte gern Herrn Diekmann sprechen.”
    Anna: “Alter, jetzt reicht´s. Ich hab bis heute morgen um sieben gesoffen, mein Schädel brummt tierisch und ich hab noch nicht gefrühstückt. Und nun kommst du mir mit so ner Scheiße??? Ich glaub es hackt. Diekmann, Dickmann. Wer issn dit schon wieder? Schuldest dem Geld oder wat?”
    Anrufer (weint): “Nun brüllen sie mich doch nicht so an! Die ganze Welt ist gegen mich. Ich finde das total gemein. Dabei wollte ich doch nur dem Herrn Diekmann sagen, dass ich das nicht gut finde, wenn seine Zeitung jetzt so gemeine Sachen über mich sagt. Dabei war ich doch nur mal n bisschen knapp bei Kasse und die Bettina wollte halt unbedingt das Häuschen im Grünen haben. Was hätte ich denn da machen sollen? Meint der Diekmann denn, wenn mir die Bettina wegrennt, bekomm ich nochmal so ne scharfe Blondine?”
    Pause.
    Anrufer (schluchzt): Hallo? … Hallo???”
    Anna (genervt): “…äh… ja… ich war grad eingepennt. Was war nu mit Dickmann?”
    Anrufer (verzweifelt): “Schon gut… ich lege jetzt auf. Sie wollen mir ja auch nicht helfen. NIEMAND WILL MIR MEHR HELFEN!!! ES IST ALLES VORBEI UND ZU SPÄ-Ä-ÄT…”
    Anna (mit einer Mischung von Genervtheit und Mitleid in ihrer Stimme): “Oh mein Gott, bitte nicht so laut, verdammte Axt. Ich sag doch, ich hab Kopfschmerzen. Pass auf Christian, machen wir n Deal: Ich ruf bei der Mama von diesen komischen Diekmann an und sag ihr, dass ihr Sohn wieder mit dir spielen soll. Dafür kommst du her und spülst das Meerschwein Schrägstrich Toupet das Klo runter.”
    Anrufer (sich beruhigend): “Einverstanden. Und wo wohnst du?”
    Anna: “Ach, wenn du selbst das nicht mehr weißt, Christian, dann bleib doch in deinem Drecks-Bellevue!!!”

    In diesem Sinne, ein Hoch auf die Anrufererkennenung.

    Es grüßt Euch liebst, Eure Anna Zielona


  3. Das Herz dieser Stadt

    2. Dezember 2011 by ck

    Ich bin Single. Und damit ein typischer Berliner. Es ist eben nicht leicht, neben dieser Stadt noch eine zweite Liebe zu pflegen. Und es ist verdammt nochmal schwer, einen Menschen zu finden, der “alles zulässt, zu nichts zwingt und alles verzeiht”, wie JM Stim diese Lebenswelt in “Hier ist Berlin” so treffend beschreibt.

    Es kommt nicht von ungefähr, dass diese Stadt von meiner Spezies bestimmt ist. Nichts in der Welt da draußen wäre geeigneter, der Tradition Paroli zu bieten. Ich weiß das. Ich komme nicht von hier. “Wer an Privatsphäre und Datenschutz glaubt, hat nie in einem Dorf gewohnt”, rauschte es kürzlich in meinem Twitter-Stream an mir vorbei. Hier ist das alles egal. Schon hinter der nächsten Ecke wartet eine komplett andere Welt, in der man einerseits nicht mehr gefunden wird, andererseits aber auch immer jemanden findet, mit dem man über all diesen Irrsinn lachen, lästern, sinnieren oder weinen kann. “Jeder für sich, jeder allein, aber geborgen unter Menschen”, kennzeichnet es der Autor. (weiterlesen…)


  4. Manifest der Wut

    29. November 2011 by az

    Was bedeuten Gesellschaft und Mehrwert? Ist der mehr wert, der gesellschaftlichen Mehrwert schafft, indem er mehr konsumiert, bedrucktes Papier in ein künstliches System einbringt?

    Ist der mehr wert, der sich hat instrumentalisieren, sich seines Individuums hat berauben lassen, indem er die meisten Tage seines Lebens damit verbringt, einer Institution zu dienen, die Menschen Nummern zuteilt?

    Glaubt dem System nicht!

    Das System habt Ihr Euch nicht ausgesucht, Ihr seid hineingeboren worden, habt gelernt, dass Ihr darin funktionieren müsst. Nun seid Ihr Nummern, seid Zahlen in ihrem Algorithmus.

    Wehrt Euch gegen diese Repression. Lasst Euch nicht länger betäuben, versinkt nicht länger in Lethargie.

    Ihr alle seid Individuen, einzigartig als die, die Ihr seid. Niemand hat das Recht sich anzumaßen, Euch zu sagen ob Ihr gut oder schlecht seid. Niemand hat das Recht, Euch Absolution zu erteilen, nicht der Staat, nicht die Kirche.

    Ihr allein seid Eures Glückes Schmied, nur Ihr selbst könnt beurteilen was Ihr wert seid. Kein Euch auferlegtes System hat dazu das Recht oder die Macht.

    Die Gesellschaft, in der Ihr lebt, ist nur ein Produkt aus Angst. Wenn Ihr gehorcht und Euch beugt, dann haben sie Euch, dann haben sie gewonnen.

    Werdet Euch Eurer SELBST bewusst, hört auf zu funktionieren, seid keine Maschinen.

    WACHT AUF UND SEID ENDLICH MENSCHEN!!!

    (Bild: CC San Diego Shooter)


  5. A(nna) CAMPada

    14. November 2011 by az

    Wir befinden uns in Berlin und richten unseren Fokus auf den Alexanderplatz. Hier ist seit einigen Wochen ein merkwürdiges Phänomen zu beobachten: Junge Menschen campieren in Zelten, tanzen mit Regenschirmen in der Hand und bewerfen Polizisten, die sie des Platzes verweisen wollen, mit Blumen. Es ist Sonntag, 09:27 Uhr, und inmitten der Campierenden fällt unser Blick auf die ersten beiden Menschen, die sich aus ihrem Zelt schälen. (weiterlesen…)


  6. Wir geben zu Protokoll

    25. Oktober 2011 by ck

    Transparenz und Lustreisen sind ja grad schwer im Trend. Und da dachten sich die Zielonen so: Was die Piraten können, das können wir schon lange. Deshalb veröffentlichen wir mal das Protokoll unserer gestrigen Redaktions-Sitzung – nach Bundestags-Manier etwas geglättet: (weiterlesen…)


  7. Zielone-Podcast: Reinhold Steinle

    4. Oktober 2011 by ck

    Jetzt gibt es die Zielone auch zum Anhören. Für die erste Ausgabe hat Anna Zielona mit Reinhold Steinle gesprochen. Der Schwabe mit der orangenen Blume führt regelmäßig Interessierte durch die Neuköllner Kieze und weiß dabei Dinge zu zeigen und Sachen zu berichten, die oft nichteinmal die Leute aus der direkten Nachbarschaft wissen.

    Direkt hören (Dauer: 07:03 Minuten):

    Und hier der Feed für eure Podcast-Clients zum festen Abonnieren.


  8. Zielone TV: Zwei Jahre “Circus Lemke”

    24. September 2011 by ck

    Unser Redaktionswohnzimmer, der Circus Lemke in der Selchower Straße, feierte seinen zweiten Geburtstag. Wir waren natürlich dabei und haben jene, die für die rauschende Party verantwortlich waren sogar kurz vor die Kamera bekommen. Es war etwas dunkel, aber so muss das in einem gemütlichen Laden ja eigentlich auch sein.


  9. Zielone TV: Neuköllner Hängung

    18. August 2011 by ck

    Für die neueste Ausgabe von Zielone TV haben wir die “Neuköllner Hängung” in der Michaela Helfrich Galerie besucht und dabei viele Leute getroffen. Einige sind hier zu sehen, mit anderen werden wir noch separat sprechen. War eine tolle Zeit. Die Hängung ist nun vorbei, was euch aber nicht davon abhalten sollte, zu den kommenden Events zu gehen, euch umzuschauen und vor allem Bilder zu kaufen.


  10. Ein Inquisitor als Schlafgast

    10. August 2011 by ck

    Am 22. September haben wir ja einen aus Funk und Fernsehen bekannten Schlafgast in der Nachbarschaft. Der gute alte Joseph Aloisius Ratzinger, heute besser bekannt unter seinem Künstlernamen Benedikt XVI., ehemaliger Chef der Inquisition, strikter Gegner von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften und dem Recht auf Abtreibung, übernachtet am 22. September in der Botschaft des Vatikans in der Hasenheide. (weiterlesen…)